Deutschland hat wieder einen Kirchenreformator

Lutherstadt-Eisleben/Leipzig, 15. Februar 2008
„Solange ich auch nur noch eine einzige Lehre, eine einzige Weltanschauung irgendeiner unserer Kirchen widerlegen kann, ist diese Kirche reformbedürftig!“
So einfach formuliert es Michael Ohmsen, Autor des Buches ‚Und wer kann widerlegen?“

Interview des Autors mit dem Leipziger Verleger Tino Hemmann:
Hemmann: Und meinen Sie, dass Sie Luther in den Schatten stellen können?
Ohmsen: Luther ist zu seiner Zeit sicherlich so weit gegangen, wie er gehen konnte. Die Sache mit dem Scheiterhaufen. Und ich gehe so weit, wie ich zu meiner Zeit gehen kann. Und anstatt den Leuten zu sagen: „Ihr müsst dieses und jenes glauben, um in den Himmel zu kommen“, sage ich den Leuten: „Prüft dieses und jenes, um überhaupt in den Himmel zu kommen.“ Es gibt keinen katholischen oder evangelischen Himmel. Das ist den Leuten noch gar nicht Gewahr geworden. Sie folgen blind der Ideologie ihrer Kirche.
Hemmann: Damit werden wahrscheinlich einige Probleme auf Sie zu kommen.
Ohmsen: Ich habe keine Probleme - ich bin ein Problem. Ich decke einen Kirchenskandal auf. Und ich arbeite um der Forschung wegen. Also hat der Papst das Problem:. Es geht um seinen Ruf vor der Weltgeschichte, nicht um meinen. Und wer kennt schon einen evangelischen Bischof à la Papst?
Hemman: Also greifen Sie Rom an, den Vatikan?
Ohmsen: Ich kenne wohl den Ausspruch „Wir sind Papst“, natürlich kenne ich den. Aber der Papst und ich haben eins gemeinsam. Die Muttersprache. Deswegen habe ich ja in Deutschland veröffentlicht. Das Problem sehe ich eher darin, dass er katholisch versteht und ich nun mal eben himmlisch.
Hemmann: Wie meinen Sie das?
Ohmsen: Dieser Jesus hat mal gesagt: ‚Euch ist es gegeben, dass ihr das Geheimnis des Himmelreichs versteht.’ Und damit meinte Jesus die paar Leute um sich herum, seine Apostel und Jünger. Und alle anderen meinte er nicht. Und also den Papst auch nicht, ansonsten könnte ich die Lehrmeinung seiner Kirche ja nicht widerlegen. Soll er doch mal sehen, ob er meine Aussagen widerlegen kann. Kann er nicht.
Hemmann: Können Sie das deutlicher machen?
Ohmsen: Der Papst vertritt, was ihm von seinen Kirchenlehrern beigebracht wurde. Und zwischendurch ändert er ein bisschen und gleicht sich an. Und die Kirchenlehrer dann auch wieder. Wir haben nicht ‚Ohmsen versus Papst’. Nein, das haben wir nicht. Eher haben wir es umgekehrt, denn er muss sich ja meiner erwehren. Der Papst hat vielleicht vom Katholischen eine Ahnung, vom Himmlischen nicht.
Hemmann: Dann wenden Sie sich also doch gegen die katholische Kirche?
Ohmsen: Nein. Auch nicht gegen die evangelische, denn die Leute glauben sowieso, was sie wollen. Und mit den Kirchen ist es auch nicht anders. Darum geht es nicht, jedenfalls mir nicht. Mir geht es um die Forschung. Deutschland kann sich jetzt international an die Spitze der neutestamentarischen Forschung stellen. Und die wichtigsten Datierungen des Neuen Testaments habe ich ja verifiziert. Sie gehen sowohl theologisch als auch astronomisch, historisch und archäologisch auf. Das treibt jedem Kirchenmann die Schamröte ins Gesicht. Ein bisschen wissenschaftliche Diskussion und wir haben die Zeit der Unwissenheit und die damit verbundene Fragenzeichenlehre bei den Datierungen überwunden.Und wenn ich ganz nebenbei die Kirche reformiere und den Papst bekehre, dann ist das doch in Ordnung.
Hemmann: Der jüngste sind sie nicht mehr, Herr Ohmsen.
Ohmsen: Als ich jung war, Herr Hemmann, da bin ich 17 Jahre durch diese Welt gepilgert und kam den Dingen auf die Schliche. Gut 432.000km sind das geworden. Sowas prägt. Und ganz nebenbei ist es Weltrekord. Das ist nicht mal die paar Kilometer nach Jerusalem oder mal schnell nach Rom oder nach Compostela. Das ist gut 11 mal um die Welt. Und nun kommt zusammen, was ich unterwegs gelernt habe. Und was ich mit ins Grab nehme, das ist der Menschheit verloren. Das ist meine Denkweise.
Hemmann: Ich danke Ihnen für das Gespräch und wünsche Ihnen viel Erfolg.
Ohmsen: Ach, Herr Hemmann, das Papsttum konnte ‚Dieweil du hast bewahrt das Wort meiner Geduld’ nicht erklären - ich habe es getan. Und von dem her stehe ich intellektuell höher in der theologischen Nahrungskette. Das wird schon werden. Und zur Not geht es mir wie Kopernikus und ist es eine Sache der Historiker und holt Rom dann die Vergangenheit ein.
Ende Interview.

Tino Hemmann (41), Inhaber des Engelsdorfer Verlages, hatte den Mut, das wissenschaftliche Werk Ohmsens in seinem Verlag zu veröffentlichen.
Michael Ohmsen ist selbstfinanzierender Forscher, Kosmopolit, lebt und forscht international und zur Zeit in Lutherstadt-Eisleben und ist nur über Kontakt seiner Homepage http://www.scandala.de zu erreichen.

Michael Ohmsen, "Und wer kann widerlegen?" - ISBN 978-3-939404-15-6, 1. Auflage, Engelsdorfer Verlag,

(D): 39,95 EUR

 


Update:
Des morgens - der Tag hat dieses Jahr Gründonnerstag-Charakter - werde ich 18 Jahre auf Pilgerreise, Studienreise, Forschungsreise (man kann im gleichen Zusammenhang auch differenziertere Begriffe finden) gewesen sein. 6.575 Tage sind es dann geworden, psalmenhafte 438.200 km, und endet hier nun erstmal diese Episode aus der Geschichte von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen.
Ich weiß nicht, wie oft ich da draußen fast verhungert bin. Ich weiß aber, daß ich ein Mal fast verhungert und verdurstet bin - sechs Wochen ohne. Aber nicht nur deshalb gebührt Babylon meine geteilte Aufmerksamkeit.
Mit lediglich einem hinzugefügten Komma - das Ganze also feinfühliger betrachtend - möchte ich Martin Luther (am 18. April 1521 vor Kaiser und Reich) zitieren: "(Weil denn Eure allergnädigste Majestät und fürstliche Gnaden eine einfache Antwort verlangen, will ich sie ohne Spitzfindigkeiten und unverfänglich erteilen, nämlich so:) Wenn ich nicht mit Zeugnissen der Schrift oder mit offenbaren Vernunftgründen besiegt werde, so bleibe ich von den Schriftstellen besiegt, die ich angeführt habe, und mein Gewissen bleibt gefangen in Gottes Wort. Denn ich glaube weder dem Papst noch den Konzilien, allein (Anm.: im Sinne von: schon deshalb), weil es offenkundig ist, daß sie öfters geirrt und sich selbst widersprochen haben. Widerrufen kann und will ich nicht, weil es weder sicher noch geraten ist, etwas gegen sein Gewissen zu tun. Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen."